Die Wiener Moderne: Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910
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Rezension bezieht sich auf: Die Wiener Moderne: Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910 (Taschenbuch) Sicherlich war die "Wiener Moderne" - wenn man für sie überhaupt einen gemeinsamen Namen finden möchte, ist dies sicherlich nicht der unpassendste - keine homogene Bewegung, die sich problemlos auf einen Nenner bringen ließe. Dann könnte man sich ja auch derlei umfangreiche Anthologien sparen. Hier wurde nicht gespart. Stattdessen findet man zunächst das, was man von derlei Reclam-Anthologien passenderweise zu erwarten gelernt hat: ein kurzes (in diesem Fall sogar sehr kurzes) Literaturverzeichnis zum Weiterlesen, Quellenangaben sowie biographische Notizen zu den Autoren und eine nicht gerade kurze Einleitung ins künstlerische Wien zum "Fin de siècle". Den größten Raum nehmen die zwischen 1890 und 1910 entstandenen Texte ein, die auf alle möglichen Fragestellungen Antwort geben sollen, und so sind sie thematisch schön übersichtlich rubriziert: Um (natürlich) Psychoanalyse und Philosophie geht es, um "Merkworte der Epoche" sowie um allerlei Theorie zu Literatur, bildender Kunst, Musik und Theater. Fast alle großen Namen kommen zu Wort, und daß darunter nur sehr wenige Frauen sind, ist nur zum Teil (wenn auch zu einem nicht geringen Teil) den Herausgebern anzulasten. Ergänzt wird die "Theorie", soweit sie nicht sowieso schon literarisch gefaßt ist, durch wichtige Texte, Gedichte, Ausschnitte aus Prosatexten sowie Dramenteile. Hugo von Hofmannsthal ist natürlich reichlich vertreten, von Arthur Schnitzler finden sich zwei Ausschnitte (aus "Leutnant Gustl" und "Anatol"), aber auch weniger bekannte Namen stehen im Inhaltsverzeichnis: Paul Wertheimer, Felix Dörmann und Richard Beer-Hofmann etwa. Insgesamt ist dem Reclam-Verlag ein einigermaßen runder Überblick über die 'Epoche' gelungen; da die abgedruckten Texte (vor allem Prosa und Drama) aber gekürzt wiedergegeben sind und natürlich im Wien um 1900 auch noch mehr und anderes geschrieben wurde, führt für ein gründliches Studium der "Wiener Moderne" kein Weg um die kompletten Texte herum. Aber hier kann man sich wenigstens einmal ein Relief machen. Das ist doch auch ganz schön. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 2. August 1999
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