|
| Gerhart Hauptmann: Bahnwärter Thiel. Lektüreschlüssel von
|
| |
Berühmte Novelle des Naturalismus mit kurzem Lesevergnügen
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Gerhart Hauptmann hat zu Lebzeiten etliche prägende Werke für die Literatur verfasst. Seine Novelle "Bahnwärter Thiel" (1887) gilt gemeinsam mit Hauptmanns Drama "Die Weber" (1892) als Vorzeigewerk des naturalistischen Schrifttums und ist nicht umsonst eine an deutschen Schulen weit verbreitete Lektüre zur Vermittlung der sozialen, technischen sowie politischen Umstände dieser Epoche. Gerade der mechanische Fortschritt war gegen Ende des 19. Jahrhunderts zwar eine Bereicherung für Fabrikanten und Industrieketten, dennoch verloren dabei viele ihren Arbeitsplatz und arbeiteteten somit für erbärmliche Hungerslöhne. Das Büchlein "Bahnwärter Thiel" betrachtet diese Tatsache mit kritischen Augen, denn die Technik wird hierbei symbolisch als Störenfried der Natur angesehen.
Thiel ist ein frommer und pflichtbewusster Mensch, der in seinem Dorf nähe Neu-Zittau als kinderfreundlicher und zuverlässiger Mann angesehen wird. Am liebsten verbringt er die Zeit mit seinem Sohn Tobias oder genießt die paradiesische Natur des fränkischen Waldes von seinem Arbeitsplatz aus. Thiel ist sich seiner Verantwortung als Bahnwärter bewusst und schließt regelmäßig die Schranken am Bahnübergang, die sich in der Nähe seiner Wärterhütte befinden. Doch dem introvertierten und wortkargen Mann plagt ein schwerer Schicksalsschlag; Bei der Geburt von Tobias verstarb seine erste Ehefrau Minna, der er ihr noch immer nachtrauert und sich stetig in seinen Phantasien vorstellt. Aus wirtschaftlichen Gründen heiratet er nach diesem Unglück die herrschsüchtige Lene, die seinen zweiten Sohn gebar. Sie misshandelt Tobias auf grobe Art und Weise, doch ihr Ehemann weiß sich dabei nicht zu helfen, denn er ist finanziell sowie sexuell an Lene gebunden. Auf der anderen Seite verabscheut der Bahnwärter ihre rüpelhafte Eigenschaft und wird geistig umso mehr von seiner immer noch geliebten toten Ex-Frau abhängig. Der physische und psychische Konflikt seiner beiden Lebensgefährten machen Thiel zu einem verstörten, aufgewühlten Wesen. Als dann auch noch sein erstgeborener Sohn von einem Zug tödlich verunglückt wird, schreitet Thiel im letzten Kapitel zur folgenschweren Tat.
Die Katastrophe kündigt sich im Grunde genommen schon zu Beginn an. Die immense, bedrohliche Erscheinung der vorbeizischenden Schnellzüge reißen den Bahnwärter aus schönen Träumen. Die Schönheit der Natur wird stetig von dem Eindringen der schwarzen, eisernen Ungeheuer unterbrochen und sorgen somit für eine bedrückende Atmosphäre die sich im Laufe der Novelle stetig verdüstert. Allein wie Gerhart Hauptmann die triste und spannungsaufbauende Stimmung bildhaft erzählt, ist ein sensationelles Leseerlebnis. Auch wie bestimmte Dinge symbolisch bezeichnet werden (die Gleise als "Spinnennetze", die sich quer durch Deutschland ziehen) oder der photografisch-erzählte Einblick in die Flora und Fauna des Waldes zeigt, das "Bahnwärter Thiel" ein naturalistisches Meisterwerk ist. Trotz des mageren Buchumfangs mit etwa 40 Seiten (typisch für Novellen) und des vorhersehbaren Ablaufs des in Prosa gehaltenen Textes, war dies definitiv eine Bereicherung für meine Leseerfahrung.
Eine Rezension von Kazuya > bayern
vom 26. August 2009 | | |
| | | | |
| | | Zur Übersicht ... |
 |  |  |  |  |  | | |
| |
Angebote zu , , ab 1 Euro!
|
| Siehe auch folgende Artikel: |
|
|  | | Texte.Medien: Bahnwärter Thiel. Arbeitsheft Bahnwärter Thiel. EinFach Deutsch - Unterrichtsmodelle: Gerha... EinFach Deutsch - Textausgaben: Bahnwärter... Klassische Schullektüre, Bahnwärter Thiel Texte.Medien: Bahnwärter Thiel. Textausgabe...
|
| | Mehr zu Deutsch, Deutsch
|
| | Home ..., , Begleitseite ... |
|
|
| | Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von |
Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum) |
| |